Germany

PRESSEMITTEILUNG

Ein Rettungsanker in der rollenden Insolvenzwelle?

Synthetische W&I-Versicherung kann komplexe M&A-Transaktionen realisieren helfen

Hamburg, 15. Januar 2025  – Der Wirtschafts- und Industriestandort Deutschland steht unter Druck: 2024 erreichte die Zahl der Unternehmensinsolvenzen den höchsten Stand seit knapp zehn Jahren. Betroffen sind auch viele Großunternehmen mit Tausenden von Arbeitsplätzen. Diese ließen sich häufig durch den Einstieg eines Investors oder solventen Käufers retten. Das weiterentwickelte Instrument der sogenannten synthetischen Warranty and Indemnity (W&I-) Versicherung kann Interessenten nun eine bisher nicht gekannte Form der Absicherung bieten – und so die Chance auf einen erfolgreichen M&A-Deal erhöhen.

Das Insolvenzgeschehen in Deutschland zeigt seit 2022 eine zunehmend alarmierende Dynamik: Es wird erwartet, dass die Gesamtzahl der Unternehmensinsolvenzen in diesem Jahr erneut 20.000 Fälle übersteigen wird. Für viele Firmen könnte der Betrieb trotzdem weitergehen – allerdings standen einer Rettung bisher meist unkalkulierbare Risiken für den Käufer entgegen: „Nur eine sehr kleine Käuferschicht würde ein insolventes Unternehmen kaufen“, bestätigt der M&A-Experte Dr. Sascha Kolaric. Er beschäftigt sich als Director M&A and Transaction Solutions bei Aon seit Jahren mit synthetischen Deckungslösungen und hat deren Evolution zu einem Gestaltungsinstrument für komplexe Transaktionen mitgeprägt.

Bewährtes Werkzeug, neue Anwendung
Synthetische Warranty & Indemnity (W&I-) Versicherungen werden als Versicherungslösung für Transaktionen schon länger genutzt: Sie dienen bei Unternehmenskäufen oder -fusionen zur Absicherung von Garantien und Steuerfreistellungen. „Auch wenn synthetische W&I-Versicherungen noch kein Marktstandard sind, ist deren Gestaltung bei Immobilientransaktionen oder in Fällen, in denen das Unternehmen hohe Immobilienwerte besitzt, wie etwa bei einer Hotelkette, vergleichsweise unkompliziert“, erläutert Kolaric. „Bei vielen Großinsolvenzen ist das jedoch nicht der Fall.“ Tochtergesellschaften im Ausland, auf die unterschiedliche Rechtssysteme Anwendung finden, komplexe vertragliche Verflechtungen, mehrere Geschäftsbereiche – all das macht ein Unternehmen im Insolvenzfall für den Versicherer wie den potenziellen Käufer zur Black Box und damit uninteressant.

Doch die im Gefolge der Insolvenzwelle rasante Zunahme sogenannter Distressed Deals ließ Kanzleien, Investmentbanken und Beratungshäuser für Risiko- und Versicherungsmanagement wie Aon nach neuen Lösungen suchen: Denn wo Insolvenzverwalter als Verkäufer auftreten, gibt es grundsätzlich per se keine Garantien im Unternehmenskaufvertrag – sie müssten persönlich dafür haften. Parallel erkannte man bei Aon, dass Versicherer angesichts rückläufiger M&A-Aktivität für spezielle Sonderdeckungskonzepte offener wurden und der technologische Fortschritt deren Risikoanalyse verbessert hat. „Es bleibt zwar ein anspruchsvolles Projekt, eine synthetische Deckung für ein insolventes Unternehmen mit komplexem, grenzüberschreitendem operativem Geschäft zu realisieren“, gibt der M&A-Experte Kolaric zu. „Aber wenn sein Management an der Offenlegung mitwirkt, bereit ist, dem Versicherer Fragen zu beantworten, und gegenseitiges Vertrauen entsteht, kann es durchaus gelingen.“

Jüngster Deal setzt neuen Standard
Dass dieses Vertrauen hart erarbeitet sein will, hat Kolaric in allen bisher realisierten Projekten erfahren: „Die Wissensträger im C-Level befürchten nicht selten, selbst in eine Haftungsfalle zu geraten, wenn sie die gewünschten Informationen herausgeben.“ Doch mit Fingerspitzengefühl und der Erfahrung aus einer Vielzahl aus M&A-Deals über mehrere europäische Länder hinweg gelang bei Aon zuletzt Ende November 2024 wieder eine größere und hochkomplexe Transaktion – dank synthetischer Deckung. „Mit der Absicherung eines rein auf multinationalem, operativem Geschäft aufgebauten Deals dieser Größenordnung wurde ein neuer Standard gesetzt“, ist Kolaric überzeugt.
Dazu musste auch der Käufer Zugeständnisse machen: „Ein Garantiekatalog kann keine standardisierte Wunschliste des Käufers sein. Sie ist ein maßgeschneidertes Paket, das zum Kaufobjekt und den Ansprüchen aller Stakeholder passen muss“, so Kolaric von Aon. Die Überzeugungsarbeit zahlt sich am Ende aber für alle Akteure aus: Das insolvente Unternehmen erhält in der Regel mehr Kaufangebote und damit häufig auch mehr Masse, der Käufer kann auf Transparenz und Sicherheiten bauen. Das Management ist rechtlich entlastet, Streitigkeiten werden vermieden und der gesamte Prozess beschleunigt. Alles zusammen verbessert wiederum die Fortführungsprognose.

Potenzial zum Rettungsanker
Im Zeichen der aktuellen Insolvenzwelle könnte die synthetische W&I-Versicherung demnach das Potenzial zum Rettungsanker haben – zumindest für Unternehmen mit tragfähigem Geschäftsmodell. Mit der richtigen Ausgestaltung, mutigen Partnern und Geduld bietet dieses innovative Instrument eine Chance, auch hochkomplexe Transaktionen erfolgreich abzuschließen und insolventen Unternehmen eine zweite Chance zu geben. Ob Kolaric es bei jedem Distressed Deal für anwendbar hält? „Ich denke, beim aktuellen Risikoappetit der Versicherer haben wir eine gute Chance, wenn das Management an der Offenlegung mitwirkt. Eine feindliche Übernahme beispielsweise, die gar keine Mitwirkung des Managements ermöglicht, käme aktuell nicht in Frage. Wir arbeiten aber weiterhin stetig daran, die Grenzen des Machbaren zu verschieben.“




Zum Pressebereich >

Ansprechpartner für
Journalist:innen

Weiterführende Links